Fluch des Purpurthrons

Die Leiden des jungen Eric

Erics Blick schweifte durch die weitläufige Halle im Zentrum des Asmodeus Tempels. Wie immer herrschte hier ein geschäftiges Treiben. Sünder, Bittsteller und Blutspender liefen – möglichsts keinen Lärm machend – über das im Boden eingelassene Mosaik mit dem Abbild des diabolischen Fürsten. Doch etwas war anders als in den letzten Wochen.

Die Bittsteller flüsterten untereinander und immer wieder konnte Eric Bruchstücke von den Gerüchten vernehmen, die seit letzter Nacht die Runde machten: Mächtige Kräfte wären in die Stadt gekommen um sich gegen die Königin aufzulehnen. Gerüchte dieser Art waren auch schon Eric zu Ohren gekommen. Und die beiden umgestürzten Statuen auf den Plätzen der Stadt, waren auch schwer zu übersehen. Viel bedenklicher fand Eric jedoch die Gerüchte, die noch nicht bis zu den Ohren der einfachen Bevölkerung durchgedrungen waren: Angeblich war die Blutbank im Kendall Amphietheater nachts angegegriffen und zerstört worden…

Aber wenn an den Gerüchten etwas dran sein sollte, so ließ sich Hohepriester Reebs davon nicht verunsichern. Wie jeden Tag stand er – unbeweglich wie eine Statue – neben dem Hauptaltar des Tempels und blickte von dieser erhobenen Position mit seinen scharfen Augen auf die Menge der Sünder unter sich hinab. Als Eric spürte, wie der eisige Blick ihn traf erschauderte er. Er wusste, über welche magischen Kräfte Reebs verfügte und auch über welche Verbündete.

Eric war seit Kindesbeinen an zum Glauben des Asmodeus erzogen worden – seine Eltern waren glühende Verehrer des diabloischen Füsten. Von daher war es nur logisch gewesen, sich dem Tempel anzuschließen und sich als Kleriker ausbolden zu lassen. Es war Eric wie eine gute Idee erschienen. Doch was er hier erlebt hatte, war nicht immer angenehm gewesen. Und nun, da Teufel – leibhaftige Teufel! – beinahe täglich im Tempel ein und ausgingen, war sich Eric nicht mehr so sicher, ob er sich auf die Richtige Seite geschlagen hatte. Auch wenn die Macht des Tempels seit der Machtergreifung Ileosas stetig gestiegen war. Etwas, was Eric wiederum gut gefiel. Die furchterfüllten Blicke der Sünder, wenn er in der roten Robe durch die Straßen der Stadt schritt, das höhere Gehalt, die willigen Jungfrauen…

Mehrere Neuankömmlinge zogen Erics Blick auf sich. Sie gingen nicht gebückt und ängstlich, wie die anderen Sünder, sondern vielmehr selbstsicher und überzeugt. Eine der Gestalten trat in die Mitte des Tempels und warf ihre Robe ab. Eric stockte der Atem: „Beim Fürsten! Es ist Blackjack!“

Wie ein Lauffeuer ging das Wort von einer Person zur Nächsten.

„Blackjack, der Retter von Korvosa ist da!“, rief er und fügte noch etwas abweerter hinzu „und seine Sidekicks.“ Mit etwas weniger Begeisterung als Blackjack, warfen auch seine vier Begleiter die Roben ab. Nur wenige Sekunden später gaben sich dann aber auch die heimlichen Wachen des Tempels zu erkennen. Acht Graue Jungfern warfen ebenfalls ihre Kutten ab und zogen ihre Schwerter. Binnen Sekunden entbrannte der Kampf, der vom Hohepriester Reebs mit den Worten: „Vergießt kein unreines Blut im Haus des Fürsten!“ im Tempel.

Erics Hände zitterten, als er zusammen mit den anderen Klerikern des Tempels die ersten Zauber webte. Panik brach unter den Sündern aus. Die ersten versuchten den Tempel zu verlassen, als Reebs eine Vision der Hölle beschwor und den ganzen Tempel in das Reichd des Fürsten verlegte – inklusive Schwefelwolken, Lavaströmen und den gepeinigten Schreien von gefolterten Seelen.

Doch die Angreifer – Eric erkannte in ihnen die Helden von Korvosa – ließen sich davon nicht beirren. Sie schnitten durch die Grauen Jungfern, wie Messer durch Butter, bannten die Kreaturen des Hohepriesters und wandten sich schließlich der Priesterschaft zu. Eric kämpfte. Er wusste, dass es um sein Leben ging. Entweder würde er hier bei der Verteidigung des Tempels sterben, oder auf dem Opferaltar des Füsten landen, wenn er seine Feigheit offen zeigte. Neben ihm wurde sein Freund Gerardt von Blackjack und einer blonden Frau zu Tode geprügelt. Ein weiterer – frisch im Tempel angekommener Akolyth – wurde von einem riesigen Shoanti Barabren mit einem leuchtenden Schwert durchbohrt. Magie durchzuckte den Tempel, Feuerbälle, Todesstrahlen. Einer der Teufel des Hohepriester löste sich durch einen giftgrünen Strahl zu einem Häufchen Asche auf. Schließlich starb auch der zweite Teufel und der letzte Priester. Eric war alleine mit dem Hoepriester die letzte Verteidigung des Tempels.

In dem Moment sprang der Shoanti Barbar durch dei Feuerwand, mit der sich Reebs schützte, versengte sich das Haar und tötete den Hoepriester mit einem wuchtigen Hieb seine Schwertes. Die Feuerwand brach ebenso zusammen, wie die Vision der Hölle, die Reebs erzeugt hatte. Nur mehr Eric stand zwischen den Eindringlingen und dem Niedergang des Asmodeus Kultes in Korvosa. Er fiel auf die Knie nieder, hob die Hände zum Himmel und schrie: „Verschont mich! Gnade!“

Er hatte eigentlich nach dem Gemetzel nicht mit Gnade gerechnet, doch da hatte er sich geirrt. Blackjack kam auf ih zu: „Steht auf! Neuer Hohepriester von Asmodeus!“
Eric schüttelte sich und krächzte: „Hohepriester? Ich? N-n-nein. Bitte nicht! Lasst mich einfach gehen!“

Doch Blackjack schüttelte entschieden den Kopf: „Du wirst in Zukunft dem Widerstand dienen, als offizielles Sprachrohr des Tempels. Du wirst die Anhänger des Asmodeus für unsere Sache mobilisieren und sie gegen die Königin aufwiegeln!“

Eric stöhnte. Er befürchtete, dieser Tag würde der schlimmste seines Lebens werden.

Comments

Knie nieder namenloser Lakai und erhebe dich Eric, Hohepriester der Kirche von Asmodeus!

Die Leiden des jungen Eric
Hunter9000

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