Fluch des Purpurthrons

Hört ihr die Leute singen?

“DIES…IST…KORVOSA!” brüllte Tyden, ergriff den armseligen Imp Dickhörnchen an einem der namensgebenden Auswüchse und schleuderte ihn durch einen Feuerelementar mitten in das Gesicht Togomors. Der Blutmagier starb mit entsetztem Blick auf seinen gegrillten Vertrauten und brachte nur noch den Satz hervor: „Ihr seid wahrlich Barbaren, wenn ihr Vertraute und Tiergefährten angreift.“ Allerdings starb er auch mit einem befreiten Lächeln auf dem Gesicht, fast so als ob sein Tod eine Erlösung für ihn gewesen wäre. Erleichterung machte sich unter den Rebellen breit. Togomor hatte ihnen mit seinen Tricks hart zugesetzt. Ob er auch hinter dem Trugbild der Königin steckte, lässt sich nur vermuten. Allerdings wussten die Rebellen seit dem Vorfall im Stadion, dass die Königin sich sicherlich nicht durch einen einzelnen Angriff Karjas mit ihrem Sternenmesser bezwingen lassen und sich dann in eine Lache Blut verwandeln würde.
Kurz nach dem Kampf gegen Togomor standen endlich die Zwerge aus Janderhoff in den Toren der Festung von Korvosa und begannen, die Räume zu sichern. Der Tod des Seneschalls hatte den Widerstand der Grauen Jungfern gebrochen und viele streckten freiwillig die Waffen, da sie nicht vorhatten, für eine verlorene Sache zu sterben. Auch im Rest der Stadt würden die letzten Getreuen der Thronräuberin Illeosa bald bezwungen sein, da der Angriff auf die Burg erst erfolgte, nachdem bereits die meisten Schlüsselpositionen der Macht innerhalb der Stadt mit getreuen Anhängern der Rebellion besetzt worden waren. Dabei wurden mit großer Sorgfalt Persönlichkeiten ausgesucht, die der Rebellion entweder zu großem Dank verpflichtet waren, oder solche, deren Posten aufgrund der schwachen eigenen Machtbasis auf Gedeih und Verderb mit dem Erfolg der Rebellion verknüpft waren.
Mit Graus Soldado als Kommandant der zurückgekehrten schwarzen Kompanie und Cressida Kroft als Feldmarshall der Stadtwache wurden die beiden einzigen offiziellen bewaffneten Einheiten der Stadt mit Günstlingen besetzt. Grau hatte nur durch die Hilfe der Rebellen seine Sabina wiedergefunden und Cressida hatte erst durch die Rebellen den Mut gefunden, während deren Abwesenheit einen Widerstand im Untergrund aufzubauen. Mit dem Tempel der Shelyn, des Asmodeus, der Kallistria und des Abadar sind vier der großen Religionen Korvosas direkt von der Rebellion unterwandert, denn deren Hohepriester verdanken den Rebellen direkt ihr Leben und werden ihre Ämter nur behalten können, wenn sie von den neuen Machthabern nach dem Ende des Aufstandes in diesen bestätigt werden. Ishani Dhatri, der neue Hohepriester des Abadar, wurde von den Rebellen aus den Fängen des Akeruzug Konstrukts befreit und wieder zum Leben erweckt und Eric, der Hohepriester des Asmodeus, war der letzte seines Ordens nach der Zerstörung der Blutbank durch die Rebellen und damit prädestiniert, einen neuen Orden aufzubauen. Laori Vaus, einst Gefangene der Rebellen und Anhängerin des Kultes Zon-Kuthons, wurde Hohepriesterin der Kallistria; sie schuldet den Rebellen, eine neue spirituelle Heimat gefunden zu haben.
Die Operationsbasen der Grauen Jungfern innerhalb der Stadt wurden nach und nach eingenommen und ihre Einheiten zur Aufgabe gezwungen. So wurde die Zitadelle Volshyenekvor, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen, eingenommen. Der Kommandant der Zitadelle konnte sich zwar nicht überwinden, sich selbst den Rebellen anzuschließen, legte aber sein Amt zugunsten Cressidas ab.
Mit dem Vordringen in die Burg, dem Kampf gegen Togomor und sein Dickhörnchen, blieb nun, die Königin selbst ausfindig zu machen und die eigentliche Quelle ihrer Macht zu zerstören…

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Die Hölle muss warten

„Ha, ha, nimm dies böser Drache! Ha, ha, ha!“ gluckste das Mädchen mit den kastanienbraunen Zöpfen. In der einen Hand hielt sie eine Angel, an deren Ende ein hölzerner Spielzeugdrache hing, in der anderen die Puppe einer blonden Frau mit einem bunten Vogel auf der Brust und einem langen Stecken in den Händen. Sie jauchzte vor Vergnügen, während sie den Drachen herumzappeln ließ und immer wieder mit dem Stecken nach ihm stocherte. „Und noch eins! Und links! Und…“ Ihre Stimme verstummte als plötzlich, ein riesiger Schatten auf den Balkon fiel auf dem sie stand. Sofort sank sie auf die Knie und kauerte sich hinter der Brüstung zusammen, hörte jedoch kaum mit dem spielen auf und flüsterte weiter vor sich hin „Ha, nimm dies! Böser Drache…“. Über ihr ertönte ein donnerndes Brüllen wie von einem riesigen Tier, ein Schwall warmer Luft fegte über sie hinweg und der Geruch von Verbranntem lag in der Luft. Dann war der Schatten wieder weg, das Mädchen sprang auf, lehnte sich über die Brüstung und sah den echten Drachen, der gerade am Balkon vorbei gestürmt war, ein Stück weiter die Gasse hinunter stehen. Aufgeregt setzte sie ihr Spiel fort. Dem Jungen neben ihr am Geländer, der dem Gesicht nach zu urteilen vermutlich ihr Bruder war, schien nicht zum Spielen zumute. In seinen verkrampften Händen hielt er ebenfalls eine Puppe, abwechselnd blickte er fassungslos zwischen dem Spielzeug und den kleinen Gestalten, die den Drachen von allen Seiten bearbeiteten, hin und her. Seine Puppe stellte einen muskelbepackten Mann mit wilden Haaren und trotzig vorgestrecktem Kinn dar, der eine überproportionierte Axt schwang. „Das kann nicht sein“ flüsterte er zu sich selbst, „es kann nicht sein, dass alles eine Lüge ist“. Die Wirklichkeit war tatsächlich bedrückend, denn der Mann, der gegen den Drachen kämpfte, war von mittelgroßer unscheinbarer Gestalt, eher schmächtig als mächtig mit einer schweißnassen Matte aus graugesträhntem Haar und einem blaugrau schimmernden Dreitagebart. Er trug auch keine Mithralrüstung, sondern eine der verbeulten Brustplatten, mit denen sich normalerweise nur die Versager von der Stadtwache auf die Straße trauten. Fast schien der Mann mehr Angst vor der schwarzgekleideten Frau zu haben, die ihn zum wiederholten Mal anherrschte, welchen Teil vom FLANKIEREN er eigentlich nicht verstanden hatte. Das Leben war so gemein. Er blickte zu seiner Schwester herüber, Imke war tatsächlich wie in den Geschichten, aber Tyden eine einzige Enttäuschung. Seine Schwester bemerkte seinen Blick und streute Salz in die Wunde „Ha, ha, Tyden ist ein Hanswurst, ha, ha!“. „He! Sei nicht so gemein zu deinem Bruder, meine kleine Prinzessin.“ Ein Mann, dem Benehmen nach der Vater der beiden, trat auf dem Balkon und legte eine tröstliche Hand auf die Schulter des Jungen. „Manchmal Lügen die Legenden, das zu lernen ist Teil des Erwachsenwerdens.“ Der Mann gab sich Mühe väterlicher Weisheit auszustrahlen. Er kniff die Augen zusammen und blickte in die Ferne wo die Helden von Korvosa gerade den Drachen bekämpften und sprach dann mehr zu sich selbst „Obwohl jedes verdammte Wort, das sie sich über den Ausschnitt der Katzenfrau erzählen, scheint Waaahhh…!“ Der Mann konnte im letzten Moment den Kopf zur Seite drehen, als eine Schöpfkelle aus dem Wohnzimmer geflogen kam, die ihn knapp verfehlte und mit beachtlicher Wucht gegen die gegenüberliegende Hauswand schlug. „Mann! Komm sofort wieder her und hilf mir und verschone den Jungen mit diesem Schmutz!“ Aus dem Wohnzimmer erklang Trinias Stimme „Entschuldigt den Boss! Ich sage dem Boss immer, dass die Rüstung Schnallen bis ganz oben hat, aber der Boss hört nie“. Der Mann grummelte etwas vor sich hin, das wie „Verdammtes Weib, hört auch nur was sie hören will“ klang und stapfte zurück ins Zimmer. Dort war die Hölle los, auf dem Essenstisch mitten in den gerade aufgetragenen Speisen lag Sabina Merrin in der Rüstung einer Grauen Jungfer. Sie zuckte wie wild mit den Gliedern und warf Sachen um. „Was soll das, was ist mit ihr los, wer seid ihr, wo kommt ihr her?“ Rief die Frau des Hauses während sie hysterisch mit den Armen in der Luft herumfuchtelte. Vor wenigen Augenblicken hatte sie zusammen mit ihren Mann und den zwei Kindern zu Tisch gesessen, dann war plötzlich der Drache draußen im Hof aufgetaucht und kurze Zeit später hatten sich Trinia Sabor und die verwundete Anführerin der Grauen Jungfern mitten auf dem Esstisch materialisiert. So beruhigt euch doch gute Frau, rief Trinia während sie verzweifelt versuchte Sabina daran zu hindern noch mehr Speisen und Getränke vom Esstisch abzuräumen, „sie ist verwundet und steht unter Schock, Dimensionssprünge stellen den Kreislauf auf eine harte Probe, und… HALT! nicht den Krug! Oh das ist wohl Wein, aber das geht wieder raus, mit Salz oder so, also sagt man zumindest, ich habe das noch nie probiert aber das ist Bardenwissen, das Stimmt in der Regel, hin und wieder, also meistens.“ Die Eheleute klammerten sich aneinander und starrten auf das Spektakel auf ihrem Esstisch, als es plötzlich ein Geräusch gab, als ob wahlweise Papier oder das Gefüge von Raum und Zeit zerrissen wird und sich der Raum plötzlich mit einem halben Dutzend identischer gut aussehender junger Männer in großspurigen grellen Roben füllte. Zwei erschienen hinter ihnen, einer saß in einem Sessel, zwei weitere wanderten ziellos durch den Raum und stolperten dabei fast übereinander, ein letzter stand einfach an der Tür und starrte sie regungslos an. Sie hatten den ungepflegten Mann in der Stadtgardistenuniform mitgebracht, der am Ende seiner Kräfte auf dem Fußboden kniete. Dann sprach das halbe Dutzend Hexenmeister gleichzeitig, in unterschiedliche Richtungen, mit verschiedenen Gesten und je anderer Intonation, stets jedoch die gleichen Worte „Trinia, ich glaube er macht es draußen nicht mehr lange und die Mädels werden glaube ich mit dem Drachen alleine fertig. Kümmere dich um ihn.“ Mit diesen Worten verschwanden das halbe Dutzend Magier wieder und ließen Trinia mit Sabina, Grau Soldado und einer fassungslosen Familie allein. Trinia schob sich langsam Richtung Tür, sagte zu Grau gewandt „Gib am besten du auf Sabina Acht, ich werde auch draußen nach dem äh… rechten sehen“ und verschwand mit eiligen Schritten aus dem verwüsteten Wohnzimmer. Grau Soldado richtete sich ächzend auf und humpelte in Richtung Sabina, ohne dabei seine Gastgeber aus den Augen zu lassen. Das Ehepaar starte apathisch durch ihn hindurch, auf dem Balkon schlug ein Mädchen freudejauchzend auf einen Stoffdrachen ein, mit einer Puppe, die irgendwie wie Imke aussah, und mitten im Raum stand dieser seltsame Junge, der ihn aus großen traurigen Augen direkt anstarrte, so als sei er irgendwie für seinen Schmerz verantwortlich. Zum Glück schlug Sabina in diesem Moment die Augen auf und blickte direkt in die seinigen. „Bist… bist du es?“ Grau nahm allen Mut zusammen zog den Bauch ein drückte die Brust raus sagte mit tiefer Stimme „Ich äh, ähm, oh, Sabina, wenn du mit ‚du‘ mich meinst, dann bin ich es. Also wegen damals, das war ähm, also wenn du willst das ich gehe, dann kann ich auch wieder, also nur wenn ich dich störe oder ich kann auch nochmal raus gehen und wieder rein kommen oder…“ „Halte mich einfach und sprich nicht weiter“ sagte Sabina und nahm seine Hand. Graus Kopf nahm derweil die Farbe einer reifen Tomate an. Sein Blick wanderte zurück zu der Stelle, wo der Junge gestanden hatte. Er war fort und hatte nur sein Spielzeug zurück gelassen. Grau kniff seine Augen zusammen, als er die Puppe betrachtete, war das Tyden? Wo war er hier nur gelandet?

WÄHRENDDESSEN EINE WELT WEIT ENTFERNT…

Die staubigen Ebenen von Avernus streckten sich trocken verbrannt unter einem fahlblauen Himmel endlos in alle Richtungen. Wie ein böses loderndes Auge blickte eine rote Sonne mitleidslos auf das Ödland hinab. Soweit das Auge reichte gab es nur rostroten Sand, der sich zu niedrigen Dünen türmte, so dass man von Horizont zu Horizont blicken konnte, wie inmitten eines endlosen Ozeans. Die Spur eines einsamen Wanderers zog sich wie ein unstetes Band aus der Unendlichkeit kommend bis hin zu dem Ort, an dem sich der Unglückselige zum Sterben niedergelegt hatte. Es handelte sich um einen großen Mann mit wilden Haaren und einer Übergroßen Axt auf dem Rücken. Eine Gruppe Imps, kleine Teufel, die normalerweise zu feige waren größere Lebewesen anzugreifen, hüpfte aufgeregt um die sterbende Gestalt herum und schnatterte unverständliche Worte in ihrer infernalischen Sprache. Einer fasste seinen Mut, packte seinen kleinen Dreizack fester und schlich in Richtung des Kopfes des Gefallenen. Urplötzlich kam Bewegung in die Gestalt, mit einer Geschwindigkeit, von der der kleine Teufel vollkommen überrascht war, schnellten die Hände des Mannes hervor, packten ihn am Kragen, drehten ihm den Hals um und schleuderten den Körper weg. Tyden setzte sich leise fluchend auf. Die anderen Teufelchen waren nur kurz schockiert und fingen dann wieder an zu schnattern und zu lachen. „Ich habe eurem Kumpel gerade den Hals umgedreht, was genau ist daran witzig?“ Einer der mutigeren Teufel blickte Tyden belustig an „Einiges, einiges, er ist ja gar nicht tot!“ Tyden blickte dorthin, wo der verdrehte Körper des Teufelchens lag. „Sieht verdammt tot in meinen Augen aus.“ „Hihi, haha, ihr seid hier in der Hölle, hihi, haha, wir sterben hier nicht wirklich. Seine Essenz wird wieder Teil der Hölle und irgendwo spuckt sie ihn wieder aus.“ Tyden grummelte etwas Unverständliches. „Und sonst kann ich irgendetwas für euch tun?“ „Oh ja, oh ja! Sterben zum Beispiel, IHR sterbt hier wirklich und wir wären gerne anwesend, wenn es passiert. Wegen der Seele und so“ „Der Seele!“ fielen die anderen Teufelchen wie im Chor ein und schnatternden dann chaotisch weiter. „Kann ich euch irgendwie überzeugen mir zu helfen? Vielleicht kann ich euch etwas verkaufen?“ „Was denn? Was denn?“ wurde der kleine Teufel plötzlich interessiert. „Keine Ahnung, was braucht ihr? Gold? Jungfrauen?“ Der kleine Teufel rieb sich interessiert die Hände „Habt ihr denn eine Jungfrau, deren Seele ihr verkaufen könnt?“ Tyden ging vor seinem geistigen Auge die Gesichter seiner Gefährten durch, unwillkürlich blieb er bei dem vom Grau Soldado hängen. „Hm, wäre es ein Problem wenn sie hässlich ist und einen Bart hat?“ Das Teufelchen zuckte mit den Flügeln „Egal, die hübschen werden ohnehin immer nur den Erzteufeln geopfert…“ Irgendetwas an Tydens Gürtel vibrierte heftig. „Ja, ja, ich weiß…“ sagte der Barbar und tätschelte den Schwertgriff beruhigend. Er fixierte den Teufel kurz, wandte sich dann ab und stapfte weiter in die Unendlichkeit. „Ich versuche mein Glück, glaube ich, zunächst irgendwo dahinten“ und deutete vage Richtung Horizont. „Da hinten gibt es nichts außer noch mehr Sand“ rief das Teufelchen, dann zuckte er mit den Flügeln und begann in gebührendem Abstand hinterher zu hüpfen. „Wenn ihr es euch anders überlegt bin ich nie weit weg!“ Tyden ignorierte ihn und setzte weiter stur einen Fuß vor den anderen. Kurz bevor er hinter der nächsten Düne verschwand, sagte eine zittrige Stimme aus Richtung seines Waffengürtels „Tyden, ich habe Angst…“, der Barbar grunzte kurz, „Bitte lasst mich ihnen nicht in die Hände fallen. Man hört schreckliches über das Schicksal heiliger Schwerter in der Hölle…“ „Wenn du weiter jammerst werfe ich dich selbst in einen Lavasee!“ „Das würdest du nie wagen“ rief das heilige Schwert Serithial und verfiel dann in brütendes Schweigen. Es war sich dessen nicht hundertprozentig sicher …

DERWEIL WIEDER AUF GOLARION…

Der Drache taumelte nur noch von Schlag zu Schlag, seine Kraft war sichtbar verbraucht. Karjas Kettenpeitsche knallte erneut und wickelte sich diesmal um den Hals der Bestie. Geistesgegenwärtig packte sie die Waffe mit beiden Händen und zog mit dem ganzen Körper an der Kette, bis das Ungetüm schließlich sein Leben aushauchte. Vorsicht schlich sie näher und trat mit der Stiefelspitze gegen den mächtigen Reptilienkopf. Das Untier rührte sich nicht mehr. Aus der Nähe sahen die Schuppen gar nicht mehr so nachtschwarz wie gedacht aus. Sie verschluckten zwar das meiste Licht, schienen einen Teil davon aber auch zu regenbogenfarbenen Lichtreflexen zu brechen. Karja zog ihren Dolch aus dem Stiefel und begann vorsichtig eine Schuppe zu lösen und hielt sie in die Sonne um ihre Schönheit näher zu betrachten. „Trinia, sei so gut und komm her“ sprach Karja ohne ihren Blick auch nur für einen Moment von der Schuppe zu nehmen. Hinter ihr wurden rasche Schritte laut: „Was gibt es Boss?“ „Schicke bitte eine Abteilung Kätzchen hierher, mit der Anweisung, möglichst vorsichtig die Schuppen einzusammeln.“ „Schon erledigt Boss! Schuppen einsammeln….“ Trinia hatte ein Klemmbrett hervor geholt und notiert mit einem Federkiel eifrig die Anweisungen. „Und schicke bitte eine weitere Katze in die Stadt, um den besten Rüstungsmacher aufzutreiben, den dieses Loch hier zu bieten hat.“ „…Rüstungsmacher… Besten des Lochs, Klammer auf Korvosa Klammer zu…“ Trinia schaute Karja an „Irgendeinen besonderen Schnitt?“ Karja wendete den Blick von der Schuppe ab und schaute ihre Assistentin einen Moment lang mit erhobener Augenbraue an. Trinia blickte etwas verwirrt zurück, nickte dann plötzlich und tippte sich kurz mit dem Federkiel an die Schläfe, wie jemanden dem gerade aufgefallen war, dass die Antwort auf seine Frage eigentlich offensichtlich ist. „Sehr figurbetont“ notierte Trinia und lief los.

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Die Leiden des jungen Eric

Erics Blick schweifte durch die weitläufige Halle im Zentrum des Asmodeus Tempels. Wie immer herrschte hier ein geschäftiges Treiben. Sünder, Bittsteller und Blutspender liefen – möglichsts keinen Lärm machend – über das im Boden eingelassene Mosaik mit dem Abbild des diabolischen Fürsten. Doch etwas war anders als in den letzten Wochen.

Die Bittsteller flüsterten untereinander und immer wieder konnte Eric Bruchstücke von den Gerüchten vernehmen, die seit letzter Nacht die Runde machten: Mächtige Kräfte wären in die Stadt gekommen um sich gegen die Königin aufzulehnen. Gerüchte dieser Art waren auch schon Eric zu Ohren gekommen. Und die beiden umgestürzten Statuen auf den Plätzen der Stadt, waren auch schwer zu übersehen. Viel bedenklicher fand Eric jedoch die Gerüchte, die noch nicht bis zu den Ohren der einfachen Bevölkerung durchgedrungen waren: Angeblich war die Blutbank im Kendall Amphietheater nachts angegegriffen und zerstört worden…

Aber wenn an den Gerüchten etwas dran sein sollte, so ließ sich Hohepriester Reebs davon nicht verunsichern. Wie jeden Tag stand er – unbeweglich wie eine Statue – neben dem Hauptaltar des Tempels und blickte von dieser erhobenen Position mit seinen scharfen Augen auf die Menge der Sünder unter sich hinab. Als Eric spürte, wie der eisige Blick ihn traf erschauderte er. Er wusste, über welche magischen Kräfte Reebs verfügte und auch über welche Verbündete.

Eric war seit Kindesbeinen an zum Glauben des Asmodeus erzogen worden – seine Eltern waren glühende Verehrer des diabloischen Füsten. Von daher war es nur logisch gewesen, sich dem Tempel anzuschließen und sich als Kleriker ausbolden zu lassen. Es war Eric wie eine gute Idee erschienen. Doch was er hier erlebt hatte, war nicht immer angenehm gewesen. Und nun, da Teufel – leibhaftige Teufel! – beinahe täglich im Tempel ein und ausgingen, war sich Eric nicht mehr so sicher, ob er sich auf die Richtige Seite geschlagen hatte. Auch wenn die Macht des Tempels seit der Machtergreifung Ileosas stetig gestiegen war. Etwas, was Eric wiederum gut gefiel. Die furchterfüllten Blicke der Sünder, wenn er in der roten Robe durch die Straßen der Stadt schritt, das höhere Gehalt, die willigen Jungfrauen…

Mehrere Neuankömmlinge zogen Erics Blick auf sich. Sie gingen nicht gebückt und ängstlich, wie die anderen Sünder, sondern vielmehr selbstsicher und überzeugt. Eine der Gestalten trat in die Mitte des Tempels und warf ihre Robe ab. Eric stockte der Atem: „Beim Fürsten! Es ist Blackjack!“

Wie ein Lauffeuer ging das Wort von einer Person zur Nächsten.

„Blackjack, der Retter von Korvosa ist da!“, rief er und fügte noch etwas abweerter hinzu „und seine Sidekicks.“ Mit etwas weniger Begeisterung als Blackjack, warfen auch seine vier Begleiter die Roben ab. Nur wenige Sekunden später gaben sich dann aber auch die heimlichen Wachen des Tempels zu erkennen. Acht Graue Jungfern warfen ebenfalls ihre Kutten ab und zogen ihre Schwerter. Binnen Sekunden entbrannte der Kampf, der vom Hohepriester Reebs mit den Worten: „Vergießt kein unreines Blut im Haus des Fürsten!“ im Tempel.

Erics Hände zitterten, als er zusammen mit den anderen Klerikern des Tempels die ersten Zauber webte. Panik brach unter den Sündern aus. Die ersten versuchten den Tempel zu verlassen, als Reebs eine Vision der Hölle beschwor und den ganzen Tempel in das Reichd des Fürsten verlegte – inklusive Schwefelwolken, Lavaströmen und den gepeinigten Schreien von gefolterten Seelen.

Doch die Angreifer – Eric erkannte in ihnen die Helden von Korvosa – ließen sich davon nicht beirren. Sie schnitten durch die Grauen Jungfern, wie Messer durch Butter, bannten die Kreaturen des Hohepriesters und wandten sich schließlich der Priesterschaft zu. Eric kämpfte. Er wusste, dass es um sein Leben ging. Entweder würde er hier bei der Verteidigung des Tempels sterben, oder auf dem Opferaltar des Füsten landen, wenn er seine Feigheit offen zeigte. Neben ihm wurde sein Freund Gerardt von Blackjack und einer blonden Frau zu Tode geprügelt. Ein weiterer – frisch im Tempel angekommener Akolyth – wurde von einem riesigen Shoanti Barabren mit einem leuchtenden Schwert durchbohrt. Magie durchzuckte den Tempel, Feuerbälle, Todesstrahlen. Einer der Teufel des Hohepriester löste sich durch einen giftgrünen Strahl zu einem Häufchen Asche auf. Schließlich starb auch der zweite Teufel und der letzte Priester. Eric war alleine mit dem Hoepriester die letzte Verteidigung des Tempels.

In dem Moment sprang der Shoanti Barbar durch dei Feuerwand, mit der sich Reebs schützte, versengte sich das Haar und tötete den Hoepriester mit einem wuchtigen Hieb seine Schwertes. Die Feuerwand brach ebenso zusammen, wie die Vision der Hölle, die Reebs erzeugt hatte. Nur mehr Eric stand zwischen den Eindringlingen und dem Niedergang des Asmodeus Kultes in Korvosa. Er fiel auf die Knie nieder, hob die Hände zum Himmel und schrie: „Verschont mich! Gnade!“

Er hatte eigentlich nach dem Gemetzel nicht mit Gnade gerechnet, doch da hatte er sich geirrt. Blackjack kam auf ih zu: „Steht auf! Neuer Hohepriester von Asmodeus!“
Eric schüttelte sich und krächzte: „Hohepriester? Ich? N-n-nein. Bitte nicht! Lasst mich einfach gehen!“

Doch Blackjack schüttelte entschieden den Kopf: „Du wirst in Zukunft dem Widerstand dienen, als offizielles Sprachrohr des Tempels. Du wirst die Anhänger des Asmodeus für unsere Sache mobilisieren und sie gegen die Königin aufwiegeln!“

Eric stöhnte. Er befürchtete, dieser Tag würde der schlimmste seines Lebens werden.

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Trinias Balade

Abends am Lagerfeuer, die Sonne versinkt gerade hinter den Turmspitzen von Narbenmauer, wirft Trinia dem Alten Gemäuer einen eigenartigen Blick zu, bevor sie sich wieder dem Feuer zuwendet und mit leiser, trauriger Stimme zu singen beginnt:

In golden times,
In yesteryear,
Back when the plains were free.
The wheat grew tall,
The birds sang clear,
Fruit laden were the trees.

But all that changed
One dark, cold night,
When orcs ran quick and low.
Crawled from their holes,
To eat men’s bones,
No mercy did they show.

Now chased away,
The humans were,
Their homes no longer safe.
“A Champion!”
Their cries rang out,
“To save us from this fate!”

And Kazavon,
The Conqueror,
Did hear their desperate call.
“Bend knee, swear oath,”
the Knight did say,
“And I will save you all!”

And army gifted unto him,
A standard at his back.
A silken banner
With blue fanged skull,
They marched to the attack.

With bravery,
No fear did show,
He laughed and made much sport.
And Kazavon, the Conqueror
Cried challenge to the orcs.

The orcs did crawl
out from their holes,
and roar and gnash their teeth.
But Kazavon, the Conqueror,
He slew them all with ease.

The people danced
And laughed with joy,
The fighting now could cease!
Sent dignitaries, delegates,
Made overtures of peace.

He looked at them,
His eyes gone cold,
Their cheers did hush with fright.
And Kazavon, the Conqueror,
Just laughed as they all died.

Now kingdoms fell,
The undead swelled,
Against him none could stand.
And Kazavon, the Conqueror,
Was master of this land.

Until one day the heroes came,
Mandraivus at their head.
A warrior, a champion,
His gleaming weapon red.

“We cannot fail, he has to fall!”
They marched into the night.
And challenged fearsome Kazavon,
who laughed at their small might.

For Kazavon, the Conqueror
Was no mere man, but beast.
The man’s skin fell, the Dragon roared,
“Your bones shall be my feast!”

Mandraivus, the Warrior,
His weapon gleaming red.
It rose and fell, as fury swelled,
And left the Dragon dead.

Mandraivus, the Warrior,
And Serithial still wait.
To guard us all, it is their doom,
Eternal Champions of fate!

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Leben und sterben lassen

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Die Luft schien von einem allgegenwärtigen, eher fühl als hörbaren Dröhnen erfüllt zu sein. Massive Obsidianpfeiler, überzogen mit Totenkopfschnitzereien stützten die Decke der unheiligen Kapelle von Narbenmauer. In den Augenhöhlen der Schädel irrlichterten kleine Funken, doch ihr dumpfer Schein konnte die uralten Schatten kaum vertreiben. Ein Schemen löste sich von einer der Säulen und glitt geräuschlos auf den Altar am Ende des Raumes zu, über den sich die bedrückende Statue eines gänzlich von Roben verhüllten Mannes erhob. Auf dem Altar lag ein unscheinbares Häuflein Asche und auf der Asche ein unscheinbarer Totenschädel, doch in den Augenhöhlen des Schädels steckten die un-unscheinbarsten Edelsteine, die Karja je gesehen hatte. Schwarz behandschuhte Finger streckten sich dem Schatz entgegen, als plötzlich von der Türe der Kapelle her ein vielstimmiges
„Nicht anfassen!“ ertönte.
Karja hielt den Zeigefinger vor den Mund, um Schweigen zu gebieten, und schaute verwirrt zurück. „Was? Den Lich anfassen?!“ Konnten sie das ernst meinen?
Mit überschnappenden Stimmen dröhnte es zurück: „Nicht anfassen! Niemals nicht den Lich anfassen!“
„Wie? Den Lich anfassen, aber niemals nicht das Licht fallen lassen?!“ Klingt sinnvoll, hier das Licht fallen zu lassen wäre ziemlich dumm, dachte sich Karja. Die Rubinaugen blitzten sie verschwörerisch an. Karja neigt den Kopf. Die Rubine zwinkerten noch einmal zurück. Wie schön! Sie streckte die Hand aus. Die Hölle brach los. Alles passierte auf einmal.
Karja erwachte am Ufer eines weiten Meeres, über das sich ein bleierner Himmel spannte. Die tiefhängende Wolkendecke drehte sich albtraumhaft langsam, wie eine riesige Spirale in der hin und wieder blaue Flammen zuckten. Direkt am Ufer, wo sich die öligen Wogen des Meeres lautlos brachen, stand ein schmuckloser Thron aus Stein auf dem eine weißhaarige Frau unbestimmbaren Alters saß. Sie hatte einen Stapel langweilig aussehender Folianten zu ihren Füßen liegen, einer lag aufgeschlagen auf ihrem Schoß, darin nahm sie gerade mit einem Federkiel Eintragungen vor. Die Szenerie atmete den schweren staubigen Geruch von Jahrtausende langer freudloser Buchhaltung. Die Frau hob nur leicht den Kopf und blickte Karja kurz über den Rand ihrer Brille an, ohne auch nur einen Moment mit dem Schreiben aufzuhören.
„KARJA,“ sagte die Weißhaarige mit einer Stimme wie ein geöffnetes Grab, „HAST DU ENDLICH EINE 1 GEWÜRFELT?“ Karja hatte mittlerweile den Schreck überwunden. Religion war zwar nie ihr Lieblingsfach gewesen, aber auch sie konnte Intuitiv erfassen, dass dies hier nicht Cayden Caileans ewige Met-Halle im Himmel war.
„Oh weise Herrin der Gräber,“ sagte sie während sie vorsichtig näher schlich, „ich glaube das hier ist ein schreckliches Missverständnis…“ Pharasma hob wenig beeindruckt eine Augenbraue. „KIND, WENN DU WÜSSTEST WIE OFT MAN DIESE WORTE IN MEINEM AMT HÖRT. ABER HEUTE IST DAS GESCHÄFT ETWAS TRÄGE. VIELLEICHT KANNST DU MICH JA ZUMINDEST ERHEITERN. ES WAR ALSO KEIN FEUERBALL?“
Karja pirschte lautlos näher zum Thron. „Ihr müsst mir glauben ich wurde gerade eben ziemlich gelinkt. Dieser Nekromant hat mich mit irgendetwas getötet, dass er „Seele fangen“ nannte, dabei wurde mir erst unlängst ein Todesschutz verkauft, von so einem dubiosen Shoanti-Schwindler, der sich selbst als Schamane bezeichnete.“ Karja setzte das Wort „Schamane“ gestikulierend in Gänsefüßchen und zwinkerte Pharasma verschwörerisch zu. „DAS IST IN DER TAT SELTSAM,“ Pharasma nahm die Brille ab und schaute Karja durchdringend an, „HM, DA IST WIRKLICH NOCH EIN TODESSCHUTZ UND…“ In diesen Moment gab es einen peitschenartigen Knall und neben Karja erschien mitten in der Luft ein schwebender Totenkopf. Der Halbleichnam Zev Ravenka hatte sich ein wenig verändert, seit Karja ihn das letzte Mal gesehen hatte. Die Augen rollten wie Murmeln in ihren leeren Höhlen, einige Zähne fehlten und über seine Stirn zog sich ein langer Bruch, wie von einer Axt geschlagen. Der schwebende Schädel hatte noch ein wenig Drehmoment und rotierte einige Sekunden um seine eigene Achse. „Das ist er, das ist der Typ!“ raunte Karja Pharasma zu. „AH, ZEV RAVENKA,“ Pharasma blätterte mit flinken Finger sehr weit in ihrem Buch zurück und fand den Eintrag mit traumwandlerischer Sicherheit, „IHR LEICHNAM-ZAUBERER MEINT WOHL ALLE, DAS IHR EUREM SCHICKSAL AUF EWIG ENTGEHEN KÖNNT.“ „Ha!“ Spuckte der Tonkopf aus und grinste Karja bösartig an, „zumindest habe ich einen von diesen Möchtegern Abenteurern mitgenommen.“ „ÜBER GENAU DIESES THEMA WOLLTE ICH GERADE MIT DIR SPRECHEN! MIR IST DA ZU OHREN GEKOMMEN, DASS DU ES MIT DEN REGELN NICHT SO GENAU NIMMST!“ Zev Ravenka blickte kurz verwirrt, wie es nur ein gänzlich fleischloser Totenkopf kann und dann dämmerte ihm etwas „Oh nein. Nein! Sie lügt wenn sie nur den Mund aufmacht! Lächerlich! Ich bin eine Kreatur mit einem verbrieften, absurd hohen Herausforderungsgrad und soll niemanden getötet haben?!“ „Da hört ihr es Pharasma!“, fiel Karja Zev ins Wort und drängte sich in das Gesichtsfeld der unbestechlichen Richterin über die Seelen der Sterblichen. „Er hat es zugegeben, er hat gerade selbst gesagt, dass er niemanden getötet hat!“ „Das…, das ist unerhört,“ der fliegende Totenschädel versuchte Karja weg zu rempeln, „das war eine rhetorische Frage, natürlich habe ich sie getötet, sonst wären wir nicht hier…“
„SCHWEIGT! BEIDE!“, donnerte Pharasma und massierte sich die Schläfen. „ZEV DU MUSST ZUGEBEN, DASS ES SICH BEI TODESEFFEKTEN IN DER REGEL UM NEKROMANTIE HANDELT, DAVOR MÜSSTE SIE EIGENTLICH GESCHÜTZT GEWESEN SEIN…“
„Das ist Verleumdung!“, giftete der fliegende Totenkopf. „Halbleichname sind mächtige MAGIER, die den Zustand des lebenden Todes anstreben, um unsterblich zu werden. MAgier sind flexibel und können alles zaubern, nur weil ich untot bin muss ich deswegen kein reiner Nekromant sein!“ Karja beute sich vor und strich Zev Ravenka maliziös grinsend über die kahle Platte. „Weißt du, die Tatsache, dass du ein fliegender, sprechender Totenkopf bist, macht die Behauptung, kein Nekromant zu sein, nicht gerade glaubwürdiger…“
Pharasma kniff missbilligend die Augen zusammen. „ZEV! DAS EINFACHSTE WÄRE, WENN DU MIR DIE STELLE ZEIGST, WO ES GESCHRIEBEN STEHT…“ Die Augen des Halbleichnams weiteten sich und er wurde kreidebleich, so wie nur ein fleischloser Totenschädel kreidebleich werden konnte. „Ihr meint doch nicht etwa … können wir nicht eher … ihr meint im REGELWERK NACHSCHLAGEN?!“ Seine Stimme war ein heiseres Flüstern voll kaum noch beherrschter Panik. Karja blickte ihn mitleidig an und begann sich sehr langsam und sehr leise rückwärts Richtung Böschung zu bewegen. Pharasma schnippte mit den Fingern und vor Zev Ravenka erschien ein wahrhaft gigantischer Stapel ausgelesener Folianten. „Oh nein, gute Herrin der Gräber, lasst uns die Angelegenheit vergessen, richtet mich einfach und ich mache mich auf den Weg in dieses große Seelenspiralen-Dingsbums und alles ist vergessen.“
„NICHTS DA, IHR HABT MEINE NEUGIERDE GEWECKT!“
„Aber, aber, das Regelwerk ist voller Querverweise, schwammig definierter Begrifflichkeiten, drolliger Übersetzungsfehler und semantischer Spitzfindigkeiten. Das dauert ewig!“
Pharasma hob nachlässig eine Augenbraue „EWIG? IHR WISST WO IHR HIER SEID…?
„Ahhhhhhhh…“
Aber das hörte Karja alles schon nicht mehr, denn sie rannte bereits den Strand hinauf zur nächsten Düne, in die generelle Richtung eines strahlenden Lichtes, das wie die untergehende Sonne aussah…

Als Karja wieder zu sich kam, hatte sich das Schicksal der Gemeinschaft von Serithial bereits entscheidend gewandelt. Als der Halbleichnam Zev Ravenka sein schauriges Haupt erhoben hatte, war Sial der Schattengraf zwischen dem strategischen Amboss seines langfristigen Zieles, die Klinge Serithial zu erlangen, und dem moralischen Hammer, die Vernichtung eines Säulenheiligen des Zon-Kuthon Kultes nicht zuzulassen, gefangen und entschied sich dem kurzfristigen Drängen nachzugeben und sich gegen die gerade neu gefundenen Gefährten zu wenden. Als er merkte, dass er gegen die Helden nicht ankahm, ging er mitsamt seiner magischen Festung stiften. Laori, seine Schwester im Geiste, konnte dem Druck ebenfalls nicht standhalten. Sie entschied sich aber dafür, im Kampf neutral zu bleiben und nicht zu fliehen. Trotzdem war dieser Vertrauensbruch genug, um sie fortan nur noch gefesselt und geknebelt mitzuschleifen – eine Idee an der Laori sogar Gefallen zu finden schien. Nicht zum ersten Mal stellte sich die Frage, wie man die Priesterschaft Zon-Kuthons eigentlich für irgendetwas bestrafen konnte.
Mit Zev Ravenka hatten die Helden bereits den zweiten Geisteranker außer Gefecht gesetzt. Der erste war der Drache Bellshalam gewesen, dessen unsichtbare Ketten Imke bannen konnte. Der Drache machte sich aus dem Staub noch bevor sich die Klerikerin fragen konnte, was sie da gerade genau auf die Welt losgelassen hatte. Auch die beiden nächsten Anker konnten im Kampf besiegt werden, Castothrane der ehemalige Hauptmann von Narbenmauer wurde auf den Zinnen der Burg gestellt und die Teufelin Nihil in ihrem Turmgemach besiegt. Besonders die Teufelin bot einen harten Kampf, denn sie verfügte nicht nur über einen mächtigen Unsichtbarkeitszauber, sondern sperrte den unglaublichen Tyden gleich zu Beginn in eine magische Gummizelle. Tatsächlich war der Sieg im Wesentlichen Laori Vaus zu verdanken, die einen Salzmephit beschwor, der seinerseits Glitzerstaub auf die Teufelin zauberte. Ob diese Tat schon reichen würde, um sie besonders in den Augen von Tyden zu rehabilitieren, der am vehementesten für ihre permanente Verbannung aus der Gruppe plädierte? Und wohin führt jener seltsame, mit blau leuchtendem Nebel gefüllte Brunnen im Keller von Narbenmauer? Karja hatte diesen zwar erforscht, aber nur bis zu einer unheimlichen Begegnung der aberranten Art mit einer Gruppe Monster, die Jal der Beschreibung nach als Gugs identifizieren konnte. Dies und mehr, wird sich demnächst nach einer langen Rast beantworten lassen.

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Die Schrecken von Narbenmauer

Liebster Solangus,

ich weiß du wirst diese Nachricht nie bekommen doch es hilft mir diese grauenvollen Ereignisse hier in Narbenmauer zu verarbeiten. Es ist kaum vorstellbar, dass Mandraivus diese Festung solange hielt und vor Bösem schützte und dennoch ist sie wieder von so viel Leid heimgesucht.

Schon direkt am Anfang werden wir von den aktuellen Herrschern des Anwesens empfangen: Eine Horde Skelette mit ihrem reitenden Anführer. Nur mit Mühe konnten wir sie bezwingen. Als wir weiter hinein drungen durchfuhr uns ein Geist eines Orks. Wir sind nicht die ersten, die sich hier her wagten. Auch wenn die Orks der Gegend wohl eher hier waren, um Schätze zu plündern. Der Geschichte nach, hat nur einer dieses Unterfangen überlebt. Einige der armen Seelen, die hier gefallen sind, schafften es nicht einmal ins Jenseits. Sie mussten so graunvolle Qualen erleiden, dass sie noch immer Narbenmauer heimsuchen und nicht zur Ruhe kommen.

Nachdem einige Wege verschlossen sind, muss die gelenkige Karja alleine vorrangehen. Shelyn sei Dank, kann sie uns noch den Weg öffnen, als sie auch schon von einem Schatten angegriffen wurde. Mit Grauen müssen wir feststellen, dass dieser Schatten Mandraivus selbst ist. Er harrte so lange aus, um den Rest der Welt vor dem abgrundtiefen Bösen zu beschützen und jetzt hat er sich selbst in eine der Kreaturen verwandelt, die er so verabscheute. Immerhin gelang es uns sein Seele zu erlösen. Doch sein Schwert, weswegen wir her gekommen sind, haben wir nicht bei ihm gefunden.

Langsam dringen wir immer weiter vor und jeder Raum hält neue Abscheulichkeiten bereit. Zum Beispiel gelangen wir in die ehemalige Küche. Auch hier erwarten uns wieder gepeinigte Seelen. Anscheinend wurden hier Menschen am lebendigen Leib verbrannt. Sie sind so wie viele andere Opfer noch immer hier gefangen und müssen ihren Tod immer wieder durchleben. Sie versuchten sogar ihre Qualen uns zu zeigen indem sie auch unsere Haut in Brand steckten, als wollten sie uns anflehen sie zu erlösen.

Nun haben wir diesen furchtbaren Ort verlassen um uns auszuruhen, hier im krotesken Turm des Schattengrafen. Noch vor wenigen Tagen als wir ihn zum ersten Mal trafen, hatten wir hier auf keinen Fall übernachten wollen. Nun scheint es ein fast heimeliger Zufluchtsort zu sein im Vergleich zu Narbenmauer. Morgen werden wir zurückkehren, um Mandraivus Schwert zu finden. Dann können wir endlich zurück nach Korvosa kommen und die Königin und das Böse, dass sie beherrscht zu besiegen. Dann werden unsere Stadt und natürlich auch du befreit sein und wir können wieder ein normales Leben führen. Doch auch wenn das alles geschafft ist, muss ich wieder hierher zurückkehren. Es gibt hier einfach zu viel Böses und zu viele arme, gefangene Seelen als das ich sie vergessen könnte. Ich muss wiederkehren und sie befreien.

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Geistlos durch Narbenmauer

Nachdem die fünf Tshameks aus dem Süden Aufnahme in den Sklar-Quah Stamm gefunden hatten, nahte der Moment, da der Häuptling des Clans der Sonne den sprichwörtlichen Sandwurm im Tipi zur Sprache brachte und nach ihren Beweggründen fragte. „Freunde“, Sprach der Häuptling, „jetzt wo ihr schon einmal hier seid und wir alle so schön gemeinsam von diesem guten Kraut geraucht haben, sagt mir eines: Warum seid ihr eigentlich hier und stört unseren Frieden?“ Die Helden, die schon befürchteten, er würde nie fragen, warfen sich Blicke der Erleichterung zu. „Wir dachten schon ihr würdet uns nie Fragen und statt dessen immer verrücktere Beweise unserer Würdigkeit fordern! Aber ja unser Hiersein hat einen Grund, der weit über das bloße Erforschen unseres inneren Shoantis hinausgeht, denn wahrlich im Süden liegt einiges im Argen.“ So erzählten die Helden von Korvosa, die nun auch die Helden des Storval-Plateaus waren, von den jüngsten Ereignissen in Korvosa, dem mysteriösen Tod des alten Königs, der Usurpation seitens der Königin und endeten mit dem finsteren Satz: „Etwas ist faul im Staate Korvosa, die Königin ist keine gewöhnliche Tyrannin, sondern bedient sich uralter finstere Kräfte, über deren Natur nur noch die Schamanen des Sklar-Quah bescheid wissen.“ Der Häuptling nickte finster und stupste den Schamanen an, der zeitweilig weggedöst war. „Höre was unsere neuen Brüder und Schwestern zu berichten haben, es stimmt bedenklich und sollte auch dich alarmieren.“ Der Schamane schaute den Häuptling verletzt an: „Sehr wohl lauschte ich den Ausführungen, doch befand ich mich bereits in einer schamanischen Trance!“ An die Helden gerichtet fuhr er fort: „So höret denn, was sich vor vielen hundert Jahren auf diesem Grund und Boden zugetragen hatte! Kazavon, berühmter Feldherr, der Ustalav vor den Orkhorden aus Belkzen rettete, stellte sich als falsche Hoffnung heraus, denn kaum hatte er durch seinen Sieg Macht und Vertrauen erlangt, offenbarte er seine wahre Gestalt in Form eines bösen Drachen und errichtete seine eigene Schreckensherrschaft. In diesen Tagen ergab es sich, dass ein Mann namens Mandreivus eine Gruppe tapferer Gefährten um sich scharrte, um das Übel an der Wurzel auszureißen. Einer meiner Urahnen war Teil dieser Gemeinschaft. In der Gefolgschaft von Mandreivus reiste er gen Osten nach Narbenmauer, der Festung des Drachen, und half diesen niederzuringen. Doch der Sieg war kein vollständiger. Echte Drachen verfügen über Kräfte, die den Göttern nur um weniges nachstehen, und so war es unmöglich die beinernen Überreste der Bestie, in der noch immer seine Essenz und somit ein Funken seiner Kraft vorhanden war, zu vernichten. Um zu verhindern das Kazavon eines Tages aus eigener Kraft oder mit der Hilfe eines besonders dummen oder skrupellosen Sterblichen in die Welt zurückkehrt, wurden seine Knochen in sieben Teile zerlegt. Jeder Teil wurde einem der Gefährten überantwortet, damit diese mit unbekanntem Ziel Narbenmauer verlassen und die Überreste getrennt an Orten verbergen, wo sie nie wieder gefunden werden. Mein Urahn übernahm einen Teil dieser ehrenvollen Pflicht und wählte die alte Pyramide im Marschland an der Mündung des Jeggare aus, wo er die Zähne des Drachen verbarg und ihre Bewachung den Brüdern und Schwestern der Sklar-Quah auferlegte. Jahrhundertelang währte dieser alte Ratschluss, bis die Siedler aus dem Süden kamen. Der Rest ist Geschichte. Die Shoanti wurden vertrieben und die Siedler aus Cheliax errichteten ihre Stadt, ohne zu wissen, welche Gefahr in den Tiefen der Pyramide verborgen war. Die seltsame Krone der Königin, von der ihr berichtet habt, ähnelt dem Aussehen nach dem alten Artefakt und die übermenschlichen Kräfte, die sie demonstriert hatte, tun ihr übriges, um den schlimmen Verdacht zur Gewissheit zu machen. Sie hat die Mitternachtszähne entdeckt und etwas altes Böses muss von ihrer Seele Besitzt ergriffen haben. Nur die ältesten und weisesten unserer Schamanen wagten sich mit höchster Vorsicht, das Artefakt zu untersuchen. Ein junger ahnungsloser Geist hatte der bösen Essenz des Drachen vermutlich nichts entgegenzusetzen.“
Die Lage war also ernst und die Not groß und so beschloss der Schamane in einem Shoanti-Ritual die Geisterwelt anzurufen, um Weisung für die nächsten Schritte zu erhalten. Die Helden sind nur allzu bereit, dieses Ritual durchzuführen und zu unterstützen, in dem sie ihr spukendes Kartendeck als Fokus zur Verfügung Stellen. Bei dem Gedanken noch eine Handvoll zusätzlichen Räucherwerks abzubrennen, erwachen die Lebensgeister des Schamanen zu neuer Betriebsamkeit und nur wenig später erscheint die durchscheinende Gestalt der guten Zellara in der Mitte des Zelts und stimmt eine traurige Melodie an.

Im Ort, wo Schatten blüh’n und Totes geht
Wo Tränen glüh’n und Schrecken weht
Liegt schlummernd brach der Rettung Stahl
Ihr Name ist Seristial.

Vier Wächter sind’s, die sie dort binden
Im Dunkel ist ihr Heim zu finden
Im Dunkel, wo sie rastlos darben
Versklavt, nicht frei, im Schloss der Narben

Ein Geist, gebor’n in blut’gem Osten
Steht unbeirrt auf altem Posten
Die Klinge aus der Höllen Sturm
Wacht ungeseh’n in kaltem Turm

Und Todeshauch in grimmer Zwinge
Harrt unstet dort des Laufs der Dinge
Der Heil’ge ruht im Haus der Schmerzen
Wird Seele, Leben, Geist ausmerzen

Entkettet sie, dass kampfesmürbe
Am Ende auch ihr Meister stürbe
Der Fluch, er bricht und löst die Seelen
Der Hüter wird den nächsten wählen

Im Ort, wo Schatten blüh’n und Totes geht
Wo Tränen glüh’n und Schrecken weht
Liegt wach, bereit und nicht mehr brach
Seristial, Kazavons Schmach

Kaum hat Zellara geendigt und das bezauberte Publikum sich wieder gefangen, erhebt sich ein wildes Stimmengewirr als alle gleichzeitig versuchen die Deutungshoheit über das soeben gehörte zu erlangen. Letztlich kann man sich in etwa auf folgendes einigen: In der Ruine von Narbenmauer, der alten Festungen Kazavons, verbirgt sich eine Klinge, genannt Seristial, die als einzige in der Lage ist, den Drachen zu verletzen.
Von Informationen gesättigt und von wahnwitzigen Mengen abgebrannten Räucherwerks benebelt, wanken die Helden zurück in ihr Tipi, nur um noch ein weiteres Mal von Zellara heimgesucht zu werden. Wie schon einige Male zuvor brennt der Geist darauf, den Helden die Karten zu legen. So geschieht es und man erfährt noch so einiges mehr. Wieder ist von einem alten Blutpakt die Rede, der sich, obwohl grundsätzlich von übler Natur, doch dereinst als hilfreich erweisen könnte. Die Helden erfahren wissenswertes aus Korvosa, nämlich, dass die Königin mit gewaltiger arkaner Macht erzeugte Illusionen zum Einsatz bringt, um die Bevölkerung zu täuschen. Man wird gewarnt, dass man nicht dem Glauben verfallen sollte wirklich den Göttern gleich zu sein, nur weil man eine Bande Hinterwäldler übers Ohr gehauen hat. Zudem ist eine gefährliche Betrügerin gerade dabei, sich den Titel der einzig waren Volksheldin von Korvosa unter den Nagel zu reißen. Nebenbei erfährt man noch, dass man demnächst verraten werden würde, aber dies locker nehmen sollte, da alles Böse auch sein Gutes hat. Am Ende der Weissagung erbleicht Zellara und schluckt kurz schwer, bevor sie weiter spricht. Sie hat ihren eigenen Tod in den Karten gesehen.
Am nächsten Morgen stolpern die Helden fast über ein handlich verschnürtes und geknebeltes Paket, das gedämpft vor sich hin flucht. Richtig! Der Aschländer. Es wird zu Rate gesessen, was mit dem bösen Geist der Shoanti zu geschehen hat. Der Aschländer scheint selbst ein tragisches Leben hinter sich zu haben, aber unfähig zu sein, den Kreislauf aus Gewalt und Gegengewalt, in dem er gefangen ist, zu durchbrechen. Auf Karjas Vorschlag hin wird er nur mit dem Nötigsten ausgerüstet auf freien Fuß gesetzt und erhält eine Frist von sieben Tagen, um sich zum Rand des Plateaus durchzuschlagen und dieses für immer zu verlassen. Sollte er nach Ablauf dieser Frist oder jemals später noch im Gebiet der Shoanti angetroffen werden, gilt er als vogelfrei und darf von jedem, der ihn antrifft, erschlagen werden. Die Shoanti akzeptieren diesen Richtspruch als fair, da letztlich das Land selbst das Urteil über den Aschländer fällen wird.
Mit Hilfe der Tränke des Schattenwandelns stellt es für die Charaktere kein Problem dar, nach Kaer Marga zurückzukehren und sich dort Stande gemäß auszurüsten. Danach geht es ab in die unerforschte Wildnis der Kodar Berge, in deren Ausläufern weit im Nordosten die Ruinen von Narbenmauer liegen. In der angeblich menschenleeren der Gegend rund um die Festung angekommen, trifft man sofort alte Bekannte wieder. Sial, den Schattengrafen, zusammen mit seiner stummen blauhäutigen Begleiterin und Laori Vaus. Es braucht nicht allzu viel Verstand, um den leisen Verdacht zu hegen, dass das alles kein Zufall sein kann. Auch wenn man sich gegenseitig nicht ganz geheuer ist, beschließt man letztlich doch zusammenzuarbeiten, da auch der Schattengraf die Königin besiegen und Serithial erlangen will, es jedoch nach eigener Aussage nicht berühren kann.
Die Partnerschaft wird auch kurz darauf bereits auf eine erste Belastungsprobe gestellt, als es gilt einen Orküberfall abzuwehren. Diese Herausforderung wird mit Bravour gemeistert, obwohl es eigentlich nur Laori aus dem Team Zon Kuthon war, die irgendetwas Sinnvolles beizutragen hatte. Die Freude über den Sieg währt jedoch nicht lange. Kaum betritt die Gruppe die Brücke, die herüber zur Festung Narbenmauer führt, bewahrheitet sich Zellaras Vision auf das Schrecklichste. Ohne dass es irgendjemand verhindern kann, wird sie von geisterhaften Gestalten aus dem Schloss ergriffen und davon gezerrt. Es scheint so, als ob dies das Ende des guten Geistes sein soll.

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Reiter des Sandwurms

„In Begleitung des Wahrsprechers Akram vom Klan des Mondes zogen die Tshamek nach Norden um sich der gefährlichsten Kreatur zu stellen, welche auf Golarion wandelt: Dem Klanfresser!“

Ein Raunen ging durch die Reihen der Krieger. So mutig sie auch alle waren, so stolz und so voller Tatendrang, keiner von ihnen würde sich je in das Gebiet dieser gefährlichen Bestie wagen. Die Stimme des alten Schamanen klang genauso, wie die Landschaft von der er nun erzählte:

„Dort wo der Klanfresser jagd gibt es kein Leben. Das Gras ist verbrannt durch seine Anwesenheit, der Boden aufgewühlt. Sogar Golarion selbst hat so tiefe Wunden, dass das heiße Blut des Planeten sich auf die Ebene ergießt. Dennoch hatten die Tshamek keine Zweifel an ihrem Tun. Voller Mut und Magie stürzten sie sich auf den Klanfresser und der mutigste von allen, Tyden, warf sich der Dämonkreatur direkt in den Schlund, vorbei an den Zähnen, aus denen wir unsere rituellen Messer herstellen. Und seine Freunde feuerten ihn dabei auch noch an!“

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Der Schamane hatte sich mit seiner hektischen Erzählung fast an den Rand eines Herzinfarktes geredet und kam immer noch nicht zur Ruhe:

„Akram glaubte das Ende des Tshamek mit angesehen zu haben, doch dann kehrte Tyden zurück. Zurück aus dem Leib der Bestie, in den er gesprungen war, lebendiger noch, als zuvor. Und damit hatte er die Legende erfüllt, die bisher für jeden von uns genau das gewesen war: Eine Legende.“

Der Alte machte eine Pause und holte tief Luft.

„Akram war so beeindruckt von dem gesehenen, dass er begierig darauf war, das Erlebnis jedem zu erzählen; auch den Schamanen vom Stamm der Sonne, zu dem die Tshamek wollten. Mit dem Wort des Wahrsprechers und dem Segen Desnas ausgestattet gelangte es ihnen tatsächlich sowohl den Schamanen als auch den Häuptling zu überzeugen. So wurden sie als erste Tshamek Blutsbrüder der Shoanti.“

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Der alte Schamane blickte in Richtung der aufgehenden Sonne.

„Ich weiß besser als alle anderen, wie schwer es für die Krieger des Stammes war, dies zu akzeptieren. Doch als die roten Insektenmenschen mit den Steinflüglern zusammen angriffen, zögerte keiner die neuen Stammesbrüder zu verteidigen. Während des Kampfes retten sie nicht nur viele Krieger, Frauen und Kinder, sondern vor allem auch meinen Großvater, der versucht hatte sich alleine dem Dämon der Shoanti zu stellen; jener Kreatur, welche die Tshamek den Aschländer nannten. Dies überzeugte meinen Großvater vollends von der vollwertigen Mitgliedschaft der fünf Fremdlinge in unserem Stamm. Er stellte so auch sicher, dass sein Sohn und dessen Sohn die Geschichte weiter geben würden. Und ich wiederum habe sie bereits an meine Enkel weiter gereicht, die sie ebenfalls an ihre Enkel weitergeben werden. Denn es war das Ereignis, welches alles veränderte.“

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Die Abenteurer und der Tempel des Todes

Die Sonne versank in einem Meer aus roter Farbe über den Gipfeln der Wyvernberge, als sich der Schamane ein weiteres Mal zu den Kriegern ans frisch entfachte Feuer setzte.

„Wo war ich stehen geblieben?“, sinnierte er mit zittriger Stimme und dachte dabei stirnrunzelnd nach. „Ahja, die Akropolis der Knechter, der Tempel des Todes.“

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„Die Tshamek hatten die erste Tiefe des alten Tempels erforscht und stiegen über den magischen Brunnenschacht in die Tiefe hinab. Dort fanden sie den verschlossenen Gang vor, der tiefer ins Unbekannte führte. Trotz aller Versuche von Karja Katze das Geheimnis des verschlossenen Raumes zu ergründen zogen die Tshamek und ihre dunklen Verbündeten weiter und betraten den heiligen Tempel der Göttin der Nacht. Verehrt von unserem Volk seit Jahrhunderten, seit ebenso langer Zeit als heiligste Stätte verehrt, wurde der Raum von unseren Ahnen und deren Ahnen verziert und geschmückt. Um jenes Artefakt von Desna zu ehren, welches sich seit Anbeginn der Zeit darin befand: Eine Kugel, welche unsere Welt darstellte. Unwissend wie Kinder, betraten diese Fremden dieses Heiligtum, auf der Suche nach dem Segen unserer Göttin. Zwei von ihnen berührten das Artefakt, erblicken Desnas Welt und erhielten trotz ihrer Fremdheit den Segen der Göttin. Doch in ihrer Unwissenheit wussten sie nicht, wie sie sich aus dem Artefakt befreien sollten und so zerstörten sie es…“

Die Stimme des Schamanen brach und einige der jüngeren Krieger stießen Verwünschungen aus, bis sie von den älteren harsch zum Schweigen gebracht wurden.

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„Mit dem letzten Segen, den Desna je gegeben hat ausgestattet, stiegen sie zurück auf die erste Ebene. Dort wurden sie bereits von den roten Insektenmenschen erwartet, die ihnen aus der Stadt bis hierher in die Wüste gefolgt waren. Ein Kampf entbrannte in der zentralen Halle des Tempels. Durch den Kampflärm, gewirkte Zauber und Kreaturen, die in der schwarzen Flüssigkeit selbst schwammen erweckten sie den Schläfer wieder. Suchende Arme erhoben sich aus ihrem ewigen Schlaf um zu sehen, wer sie störte und um jeden zu töten, der es wagte sich hier aufzuhalten. Mehr und mehr Tentakeln erhoben sich. Während unsere Brüder aus der Sicherheit des Tempels der Szenerie beiwohnten ergriffen die Tshamek schließlich übermannt von dem Fremden aus der Dunkelheit die Flucht um vor dem Eingang des Tempels ihr Lager aufzuschlagen. Der Schattengraf baute hier seine Totenkopffestung auf, weshalb sich die Tshamek, sich einer Prophezeiung durch Troll Auguren erinnernd, von den dunklen Mächten, mit denen sie sich kurz verbündet hatten, wieder lossagten.“

Der Schamane machte eine Pause, hustete und nahm einen Schluck Wasser aus einem Lederschlauch.

„Nachts, als die anderen schliefen, kehrte Karja Katze in die Tiefen des Tempels zurück und raubte die glitzernden Steine, mit denen der Schwanz der Fischfrau verziert war. Damit hatten sie nicht nur das Artefakt Desnas zerstört, die Peitsche der siebenzackigen Göttin gestohlen, sondern auch noch die Fischfrau geschändet. Aber sie wussten es nicht besser.“

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„Auf dem Weg nach Norden, zum Tempel des Mondes, begegneten ihnen noch die Drachen der Berge, die mit ihren giftigen Stacheln für die Tshamek eine größere Gefahr darstellten, als die Kreaturen des Tempels. Dennoch schafften sie es zusammen den Tempel des Mondes zu erreichen. Hier beteten die Mondpriesterinnen die Göttin gerade um Hilfe an. Eine ungewöhnliche Kreatur hatte sich in dem Tempel eingenistet. Mit dem Zeichen Desnas auf den Händen wurden die Tshamek als Gesandte der Göttin selbst angesehen, die gekommen warum, um die Kreatur zu besiegen. Vielleicht waren sie tatsächlich von göttlicher Macht beseelt, denn sie erschlugen die Kreatur ohne Probleme. Alles verlief so, wie der weise Schamane Tausend Knochen es vorhergesehen hatte. Der Wahrsprecher Akram erklärte sich auch bereit die Tshamek nach Norden, in das Reich des Klanfressers zu begleiten.“

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Jede Saga hat einen Anfang

Die Sterne schienen um einen wolkenlosen Nachthimmel. Absolut klar standen sind in der kalten Luft des Storvalplateaus. Die Shoantikrieger rückten näher an das Feuer in ihrer Mitte. Zum einen um es wärmer zu haben, zum anderen um näher an den Lippen des alten Sonnenschamanen zu sein, der mit ihnen das Lager teilte.

„Ich möchte euch heute eine Geschichte erzählen“, begann der alte mit krächzender und zittriger Stimme. „Eine Geschichte von fünf Tshamek, die ausgezogen sind, um unsere Welt und die der weißen Siedler aus den Städten zu retten.“

Alle Shoanti am Feuer kannten diese Geschichte, dennoch herrschte gebanntes Schweigen.

„Vor vielen, vielen Sonnen, als in der großen Stadt der Pyramide im Süden eine ebenso hübsche wie gefährliche Königin herrschte, kamen fünf Tshamek aus ebendieser Stadt zu unserem Volk. Sie waren verzweifelt und suchten Hilfe. Hilfe um ihr Volk vor dieser gefährlichen Königin zu retten, die von einem bösen Geist besessen war. Ein Geist, den unser Volk vor unzähligen Sonnen in den Tiefen der Pyramide verwahrt und bewacht hatte. Bis die weißen Siedler kamen und uns aus dieser heiligen Städte vertrieben haben. Obwohl sie also selbst schuld an ihrem vorherbestimmten Untergang hatten, kamen sie zu uns und baten um Hilfe. Ihr alle, die ihr hier sitzt, hättet ihnen die Hilfe verweigert. Doch diese Tshamek hatten Glück und fragten bei einem der weisesten unseres Volkes um Rat. Sein Name war Tausend Knochen aus dem Stamm der Skoan-Quah. Er erzählte ihnen, dass es sehr wohl eine Geschichte rund um den bösen Geist der Königin gäbe, sie diesen jedoch nur bei einem Sonnenschmanen in Erfahrung bringen würden. Wie ihr wisst, und auch Tausend Knochen wusste das, wird aber kein Sonnenschamane Wissen der Shoanti an einen Tshamek weiter geben. Tausend Knochen war jedoch schlau und erklärte den Fremden, dass es eine Möglichkeit gäbe zu Mitgliedern des Stammes zu werden.

Damals wie heute gehört der Norden der Feuerebene dem Klanfresser. Sollten diese Tshamek es schaffen vom Klanfresser verschlungen zu werden und dieses Ereignis überleben, dann wären sie vollwertige Mitglieder der Shoanti. Ihr alle kennt die Geschichte von Skurak dem Widergeborenen, dem es als einzigen bis dahin gelungen war diese Prüfung zu bestehen. Doch die Fremden wussten entweder von ihrer innewohnenden Macht, oder sie hatten keine Ahnung welche Prüfung die Götter hier von ihnen verlangten.

Bevor sie sich dem Klanfresser stellten zogen sie jedoch nach Westen, an den Rand der Wyvernberge. In der alten Akropolis wollten sie sich den Segen Desnas holen um sich so die Hilfe eines Wahrsprechers zu sichern.“

Der alte Schamane deutete in Richtung des westlichen Horizontes, wo sich die zerklüfteten Gipfel des Gebirges klar gegen den Nachthimmel abzeichneten. Wenn man genau hinsah, konnte man sogar die geflügelten Kreaturen bei ihrer nächtlichen Jagd über den Bergen kreisen sehen.

„Ausgerüstet mit Geschenken von Tausend Knochen machten sich die fünf auf den Weg. Obwohl keiner von ihnen bisher in der Feuersteppe gelebt hatte schafften es diese Tshamek Buschfeuer zu überstehen, Angriffe von Ankhegs und Landhaien abzuwehren und sie trotzten sogar den schlechten Omen der Totems des Aschländers.“

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Ein Raunen ging durch die Reihen der jungen Krieger. Ein jeder kannte die Geschichte des Shoanti jagenden Geistes und seine weitere Rolle in der Geschichte der fünf Tshamek.

„Schließlich erreichten sie, genau zu Beginn eines Aschensturms, die heilige Akropolis, die seit Anbeginn der Erzählungen verfallen in den Bergen steht. Ebenso unwissend wie wir, was die Geschichte dieses Ortes angeht, durchschritten sie das Portal des siebenzackigen Sterns und stiegen in die Tiefe hinab. Karja Katze immer vorne weg und oft nur durch Jal Feuerbringer und Imke Regenbogenvogel zurückgehalten. An ihrer Seite Tyden Willenbrecher und Trinia Sanftstimme.

So erreichten sie den schwarzen Tümpel ohne zu wissen, was sich darin verbarg.“

Wieder ging ein raunen durch die Shoanti und nicht wenige wollten zu dem Teil der Geschichte kommen, indem es endlich zur Sache ging. Doch der Sonnenschamane ließ sich nicht hetzen.

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„Sie durchsuchten jeden Winkel der Akropolis. Sie fanden die einsame Frau mit dem Fischschwanz, sie entdeckten die nie enden wollenden Schriftzeichen, den magischen Brunnenschacht und auch die Schlangenstaute mit dem siebenzackigen Stern und der Goldpeitsche. Hier trafen sie auch auf den Schattengrafen und seine blauhäutige, in Ketten gelegte Sklavin, welche ihnen halfen das Rätsel der Schlangenstatue zu lösen. All das fanden sie. Aber sie sahen nicht die Gefahr, die ihnen auf den Fersen war.“

Der Alte war gegen Ende hin immer langsamer geworden und nun fielen ihm erschöpft die Augen zu. Die Krieger grummelten enttäuscht. Aber es würde wohl noch eine weitere Nacht am Lagerfeuer benötigen, bis der alte Schamane seine Geschichte weiter erzählen würde.

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